Ein Kratzer am Heck, und niemand weiß, seit wann er da ist. Die Frage entscheidet, wer zahlt. Geklärt wird sie nicht durch Erinnerung, sondern durch zwei Zustände, die sich sauber vergleichen lassen.
Bei fast jeder Übergabe gibt es später denselben Dialog: „Das war schon vorher da.“ – „Nein, das ist neu.“ Beide Seiten sind überzeugt, beide haben vielleicht sogar Fotos. Trotzdem lässt sich die Frage oft nicht beantworten, weil die Aufnahmen nicht vergleichbar sind oder nicht belegen, wann sie entstanden sind. Dieser Beitrag zeigt, was ein Vorher-Nachher-Vergleich braucht, damit die Frage ohne Streit geklärt wird.
Die Frage „Vorschaden oder neuer Schaden?“ wird nicht durch Diskussion beantwortet, sondern durch zwei versiegelte Zustände mit gleichen Ansichten, markierten Stellen und belegtem Zeitpunkt. Was im ersten Protokoll fehlt und im zweiten auftaucht, ist neu.
Drei Gründe kommen immer wieder vor. Erstens fehlt der Ausgangszustand: Bei der Übernahme wurde gar nicht oder nur grob fotografiert. Zweitens passen die Aufnahmen nicht zueinander: Die eine Seite hat das Fahrzeug von links fotografiert, die andere von schräg hinten, und die fragliche Stelle ist auf keinem Bild eindeutig zu sehen. Drittens ist der Zeitpunkt nicht belegt: Ein Foto aus der Galerie kann von heute sein oder von letzter Woche, und die Bilddaten lassen sich ändern.
Vier Dinge müssen zusammenkommen, damit zwei Aufnahmen vergleichbar sind.
Ein Vergleich funktioniert nur, wenn beide Zustände mit denselben Pflichtbildern erfasst wurden: alle Seiten, die Ecken, Dach, Innenraum, Kilometerstand. Werden die Bilder geführt abgehakt, fehlt am Ende keine Ansicht. Erst dann lässt sich jede Stelle des Fahrzeugs zwischen zwei Zeitpunkten gegenüberstellen.
Ein bekannter Schaden gehört auf die Fahrzeugskizze: Ansicht, Position, Art, Foto. So ist bei der nächsten Erfassung sofort sichtbar, welche Stellen schon dokumentiert waren. Der Vergleich beschränkt sich dann auf das, was neu ist.
Das Foto muss im Moment der Erfassung entstehen und an Zeit, Ort und Gerät gebunden sein. Ein nachträgliches Hochladen aus der Galerie darf nicht möglich sein. Nur so steht fest, dass der „Vorher“-Zustand wirklich vor der Übergabe aufgenommen wurde.
Beide Protokolle werden nach der Unterschrift versiegelt. Jede spätere Änderung würde das Siegel brechen. Damit ist ausgeschlossen, dass eine Seite im Nachhinein ein Bild austauscht oder eine Markierung entfernt.
Mit jeder Erfassung wächst die Historie eines Fahrzeugs: Anlieferung, Übergabe an den Fahrer, Werkstattaufenthalt, Rückgabe. Bekannte Schäden werden in das nächste Protokoll übernommen und dort als Vorschaden gekennzeichnet. Wer das Fahrzeug übernimmt, sieht sofort, was bereits dokumentiert ist, und muss nur noch prüfen, ob etwas hinzugekommen ist.
Übernahme: Pflichtbilder, Kilometerstand, bekannte Schäden markieren, beide Seiten unterschreiben, versiegeln.
Nutzung: Ereignisse wie ein Parkrempler werden als eigenes Protokoll festgehalten, mit Foto und Zeitpunkt.
Rückgabe: Dieselben Pflichtbilder, Vorschäden sind bereits eingetragen, neue Stellen werden ergänzt.
Abweichung: Das Rückgabeprotokoll zeigt, welche Markierungen neu sind. Jede davon hat ein Foto, einen Zeitpunkt und die Unterschrift beider Seiten.
Für den Vergleich reicht ein vollständiger Ausgangszustand. Für die Akzeptanz im Streitfall ist entscheidend, dass beide Seiten den Zustand bestätigt haben, also die Unterschrift beider Beteiligten unter dem versiegelten Protokoll.
Ob eine neue Stelle eine normale Gebrauchsspur oder ein ersatzpflichtiger Schaden ist, bleibt eine Bewertungsfrage. Der Vergleich klärt nur, dass sie neu ist. Diese Trennung macht Gespräche kürzer, weil über das Ob nicht mehr gestritten werden muss.
Ja, wenn beide Protokolle als versiegelte Nachweise vorliegen. Über den QR-Code auf dem Dokument lässt sich prüfen, dass es echt und unverändert ist, ohne Konto beim Anbieter.
Dieser Beitrag beschreibt die Dokumentation. Ob und in welcher Höhe ein Schaden zu ersetzen ist, richtet sich nach Vertrag und Einzelfall.